Die Erinnerung aufrecht halten

Kaum eine Krankheit geht so stark mit dem schrittweisen Verlust der Persönlichkeit einher, wie eine Alzheimer-Demenz. Vor allem für Menschen, die die erkrankte Person seit Jahren kennen, sind Verhaltensänderungen besonders schwierig zu verarbeiten.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Alzheimer-Patient irgendwann seine Angehörigen nicht mehr erkennt. Manche Angehörige reagieren mit Rückzug, manche finden neue Umgangsformen, um mit der Trauer besser zu leben.

Der Mensch ist mehr als die Krankheit

Überschattet von der Realität und dem „neuen“, so fremden Familienmitglied, ziehen sich manche Angehörige zurück, um den Erkrankten so wie er früher war in Erinnerung zu behalten. Damit nehmen Sie sich und dem Erkrankten wertvolle Zeit und die Chance, neue Seiten zu entdecken oder alte zu reaktivieren. Natürlich ist das leicht gesagt, vor allem, wenn Demenzpatienten aggressiv werden, schimpfen oder schreien.

Wichtig ist in solchen Situationen sich immer wieder bewusst zu machen, dass nicht der Mensch, sondern die Krankheit aus ihm spricht und ihn nicht auf die Erkrankung reduzieren. Die Krankheit ist nur ein Teil, nicht der ganze Mensch. Um die Persönlichkeit hinter der Erkrankung hervorzulocken, kann man sich durchaus Anleihen aus der Vergangenheit holen.

Die Persönlichkeit in den Fokus rücken

Angehörigenberater empfehlen bereits zu Lebzeiten Anekdoten zu sammeln, Familiengeschichten auszugraben oder Fotoalben bewusst bei Familientreffen aus der Lade zu holen. Schreiben Sie die Geschichten nieder, befragen Sie auch Bekannte, Arbeitskollegen oder besuchen Sie den Ort, wo Ihr Familienmitglied aufgewachsen ist. Erzählungen von Dritten, die den Erkrankten kannten, zu hören, kann auch heilsam sein und weckt Gefühle an den Menschen, wie er war.

Vielleicht entdecken Sie Lieblingslieder oder -tänze und erinnern sich an Lieblingsspeisen oder -blumen. Auf diese Weise können Sie bei Ihrem nächsten Treffen versuchen, auf nonverbale Weise Ihren Angehörigen zu erreichen.

Gerade die sinnliche Ebene birgt zumindest die Chance, die „alte“ Persönlichkeit für kurze Momente wieder ans Licht zu holen. Sehen Sie nicht die Defizite, sondern den Menschen: es sind die kleinen Gesten, die besonderen Blicke oder die kleinen verschmitzten Lachfalten um den Mund. Erfreuen Sie sich an diesen Momenten – dann wird die Erinnerung nicht sterben.

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