Den Erkrankten aktivieren

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Apathie und Desinteresse vonseiten des Erkrankten bereitet vielen Angehörigen Sorge. Es gibt aber Möglichkeiten, um im normalen Alltagsleben spielerisch und fast wie nebenbei den Erkrankten zu aktivieren.

Ein gezieltes, stadiengerechtes Trainingsprogramm (körperliches und mentales Training, Beschäftigung, soziale und gesellschaftliche Aktivitäten) kann sogar einen verzögerten Verlauf der Erkrankung bewirken. (Quelle: Projekt „Gesund länger Pflegen“, Verein M∙A∙S Alzheimerhilfe, www.alzheimer-hilfe.at )

Generell gelten für jegliche Beschäftigungen folgende Grundsätze:

  • Weder unter- noch überfordern!
  • Alle Aktivitäten haben nicht zum Ziel verlorene Kompetenzen wiederzugewinnen, sondern vorhandene Stärken zu fördern, so dass sie möglichst lange im Erfahrungsschatz bleiben.
Allerdings gibt es kein Patentrezept, wie Sie Ihren Angehörigen optimal unterstützen können. Sind aufgrund körperlicher Einschränkungen zB Hobbys nicht mehr möglich, überlegen Sie sich abgespeckte Varianten.

Beispiele aus der Praxis

Vielleicht können Ihnen zwei Fälle aus der Praxis beispielhaft helfen, um sich mögliche Aktivitäten zu überlegen.

Fall 1: Eine ältere Dame wollte nicht mehr stricken, weil sie sich schämte, dass sie Reihen und Maschen nicht mehr zählen konnte und die Strickwaren unregelmäßig wurden. Ihre Tochter bat ihre Mutter, ihren Enkelkindern die Handhabung einer „Strickliesl“ beizubringen. Ein dreifacher Erfolg: die zwei Burschen lernten stricken, die Großmutter hatte eine Beschäftigung, die sie gerne machte (sie strickte noch kilometerlange Schlangen), und sie gewann gleichzeitig ein Stück Selbstwert zurück.

Fall 2: Ein lange pensionierter Ministerialbeamter mit 72 Jahren, der zeitlebens nur für die Arbeit gelebt hatte, wollte nicht einmal mehr in der Früh aus dem Bett. Sein Schwiegersohn fand auf dem Flohmarkt eine alte Schreibmaschine und richtete ein kleines „Büro“ ein. Der 72-jährige begann unermüdlich Briefe zu tippen, Akten zu schlichten und Ordner abzulegen und war – in seiner Welt – glücklich.

Bewegung ermöglichen

Bewegung an der frischen Luft oder körperliche Ertüchtigung werden in der Gruppe meist eher angenommen, als alleine. Vielleicht gibt es in der Umgebung Nordic-Walking-Gruppen, Tanzabende oder Seniorenturnen, wo der Patient mitmachen könnte. Trauen Sie sich zu fragen, ob es trotz Erkrankung möglich wäre teilzunehmen. Jeder Mensch hat trotz Erkrankung ein Anrecht auf soziale Teilhabe. Machen Sie sich und Ihrem Angehörigen im Falle von Scham immer wieder bewusst: Sie sind nicht allein!

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Weitere Informationen & Antworten zum Thema “Angehörige” finden Sie unter:
DF_LM_Demenz_2015-02-27 _Demenz_Txt4