Pflege ohne Schuldgefühle
An Demenz erkrankte alte Menschen werden häufig von Angehörigen gepflegt. Oft geht das mit Schuldgefühlen einher. Wer Angehörige pflegt, muss auf die eigenen Bedürfnisse achten.
Auch pflegende Angehörige sind nur Menschen und die Nähe zu dementen Personen kann sehr anstrengend sein. Wer einen alten Menschen mit Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz pflegt, steht unter Belastung. Die Nerven liegen blank, wenn die pflegebedürftige Person ihr Verhalten nicht mehr regulieren kann, oder immer wieder dieselben Fragen stellt. Früher oder später kommen alle, die Pflegearbeit machen in dieselbe Situation: Sie machen sich Vorwürfe, die oft gar nicht objektiv begründbar sind. Sie wünschen sich noch mehr und noch besser für die pflegebedürftige Person da zu sein.
Schuldgefühle können entstehen, wenn Sie das Gefühl haben, nicht genug Zeit aufbringen zu können, nicht geduldig genug waren oder es zum Streit mit der pflegebedürftigen Person gekommen ist. Wichtig ist nun, dass Sie damit aktiv umgehen. Denn Schuldgefühle sind Krafträuber.
Selbsthilfe für Demenz Pflege
Die erste Adresse im Umgang mit dem Gefühl, nicht genug getan zu haben, oder alles falsch zu machen sind andere pflegende Angehörige. In Selbsthilfegruppen kommen Menschen auf Augenhöhe zusammen, die durch ähnliche Themen verbunden sind. Tauschen Sie sich aus, in der Gruppe werden Sie nicht nur auf Verständnis, sondern auch auf anwendbare Ratschläge stoßen.
Supervision gegen Schuldgefühle
Profis im Bereich der Pflege, Sozialarbeit oder Psychotherapie nehmen Supervision in Anspruch. Das kann man sich vorstellen wie Therapie für Therapeuten. Sogar die ausgebildeten Profis brauchen einen Ort wo sie angestaute Gefühle bearbeiten können. Auch pflegende Angehörige können solche Angebote in Anspruch nehmen. Therapeutinnen und Therapeuten, die eine Zusatzausbildung in Supervision und Coaching haben, sind die besten Ansprechpartner.
Entlastung durch Kurzzeitpflege
Wenn Sie Schuldgefühle plagen, weil Sie das Gefühl haben, nicht genug Zeit aufbringen zu können, ist es vielleicht einfach Zeit die eigenen Kräfte zu schonen. Bei der Kurzzeitpflege wird ein Angehöriger für den Zeitraum von ein bis zwei Wochen institutionell gepflegt. Danach geht der Alltag weiter. Gönnen Sie sich einen Urlaub. Der Hausarzt oder die Selbsthilfegruppe unterstützen Sie beim Antrag auf Kurzzeitpflege.
Neurologische Rehabilitation
Auch Tageszentren können Angehörigen Entlastung bieten, während die demente Person für einige Stunden professionell betreut wird. Der Neurologe hilft Ihnen beim Antrag auf neurologische Rehabilitation, der dazu notwendig ist. Die Sozialversicherungen übernehmen die Kosten.
Die eigenen Kräfte schonen
Stellen Sie sich die Frage: Was tut mir gut? Suchen Sie das Gespräch mit Freunden, reflektieren Sie über Ihre Pflegetätigkeit und die Erwartungen, die Sie an sich selbst stellen. Lassen Sie Ihre Schuldgefühle an Freunden sozusagen “abprallen”. Wenn Sie sich und Ihre Pflegearbeit mit Distanz betrachten, werden Sie sicher bemerken: Ich stehe vor einer großen Aufgabe und ich meistere sie eigentlich sehr gut.