Was ist bloß mit Oma los?

Home / Allgemein / Was ist bloß mit Oma los?

Was ist bloß mit Oma los?

Steckt die Zahnbürste im Schuh, wundert sich jeder – Groß und Klein. Werden alte Menschen „schrullig“, betrifft das nämlich auch und manchmal sogar besonders die Enkelkinder. Großeltern sind für sie häufig wichtige Bezugspersonen. Für sie ist es ein großer Verlust, wenn plötzlich der Kontakt eingeschränkt wird oder sie mit „Geschichten“ abgespeist werden – aus elterlicher Sorge, dass die Kinder mit dem veränderten Verhalten von Opa oder Oma überfordert wären. Überfordert sind sie jedoch nur dann, wenn ihnen niemand erklärt was los ist. Aus diesem Grund wurde von Monika Frank und Mag. Dina Elmani-Zanka in Kooperation mit Alzheimer Austria ein Workshop entwickelt, der sich an Volksschulkinder richtet. Spielerisch wird seit Jänner 2017 Wiener und niederösterreichischen Volksschulklassen das Thema „Kindern Demenz erklären“ vermittelt.

Tut Demenz weh?

Das Schulprojekt „Merkima – Demenz Kindern erklärt“ vermittelt kindgerecht, warum manche Großeltern aufgrund einer Demenzerkrankung anders werden und wie Kinder mit dieser Veränderung umgehen können. Im Mittelpunkt steht die Handpuppe, Dita von Dingsda, die durch ihr seltsames, vergessliches Verhalten die Kinder in ihre Welt einführt. Die Kinder erfahren, wie Alzheimer im Gehirn entsteht, wie sich Ditas Verwirrtheit anfühlt und können Ideen für Aktivitäten und einen besseren Umgang mit Opa oder Oma entwickeln. Kinder finden sich mit Veränderungen letztlich viel besser zurecht, wenn sie adäquat unterstützt werden. Sie brauchen Klarheit über die Erkrankung, genauso wie Erwachsene.

Tipps, wie man Kindern Demenz erklärt

Häufig erkennen Alzheimerkrankte ihre Enkelkinder nicht mehr oder vergessen deren Namen. Wichtig ist daher zu erklären, dass sie das nicht absichtlich machen.  Namensschilder (aus einfachen Mitteln wie Adressetiketten oder Malerkrepp angefertigt) helfen ebenfalls, genauso wie das gemeinsame Betrachten von Familienfotos. Wichtig ist es Kindern klarzumachen, dass sie nicht Schuld sind, wenn Opa plötzlich wütend wird oder grundlos zu schimpfen beginnt. Dies rühre daher, dass er unsicher werde, eben weil das Gedächtnis nicht mehr gut funktioniert.

Gleichzeitig kann dies sehr peinlich und verwirrend sein. Auch ist es sinnvoll aufzuzeigen, welche Veränderungen im Gehirn stattfinden. Dies kann zum Beispiel mit dem Spiel „Stille Post“ gut vermittelt werden, da dabei die ursprüngliche Information beim ersten Spieler am Schluss völlig verändert ankommt. Vergleichbar mit den Gehirnzellen, die durch das Absterben der Zellen und –verbindungen eben keine Daten mehr (richtig) übertragen können. Keinesfalls sollten Kinder mit Fehlinformationen abgespeist werden, denn die Wahrheit – adäquat vermittelt – ist Kindern immer zumutbar.

Hintergrund: Familiäres Miteinander fördern

Derzeit leben etwa 130.000 Menschen mit einer demenziellen Erkrankung in Österreich. Bereits heute sind viele Kinder mit „seltsam“ werdenden Großeltern konfrontiert. Für die betroffenen Familien und auch für ein besseres Generationenverständnis ist wichtig, einen offenen Umgang mit alten und/oder an einer Demenz erkrankten Menschen zu pflegen. Gesellschaftliche Teilhabe, nicht soziale Isolation, wäre für Betroffene wünschenswert. Das Programm richtet sich gezielt an Kinder, um möglichst früh Berührungsängsten vorzubeugen und einen offenen Umgang zu fördern.

Verwandte Artikel